Lausitzer Rundschau / Elbe-Elster-Rundschau, 19. April 2006
Emis investiert und sucht junge Ingenieure
Was 1990 als Ausgliederung der Kraftwerksinstandsetzung aus dem ehemaligen Veag-Kraftwerk Lübbenau begann, ist zu einer bundesweit für die Industrie tätigen Dienstleistungsgruppe geworden. Die Emis Electrics GmbH Lübbenau beschäftigt heute das Zwölffache an Mitarbeitern und sucht weiteren gut qualifizierten Nachwuchs für neue Projekte. Sie investiert in diesem Jahr drei Millionen Euro in den Kapazitätsausbau und in ein neues Verwaltungsgebäude im Spreewald.
Ob Architekturstudent oder frisch gebackener Ingenieur für Elektro- und Automatisierungstechnik oder Energie- und Informationstechnik oder als Mechatroniker – im Spreewald findet der Berufsnachwuchs Chancen. Einer der zuverlässigsten Chancengeber ist die Emis Electrics GmbH in Lübbenau. Sie hat in den zurückliegenden 16 Jahren ihr Personal von 27 auf 337 aufgestockt, darunter 21 Lehrlinge und vier Praktikanten. Und der Industriedienstleister sucht weiteren gut qualifizierten Fachkräftenachwuchs, wie Geschäftsführer Eberhard Perschk sagt.
Drei Millionen für Aus- und Neubau
Rund drei Millionen Euro wollen die Spreewälder in diesem Jahr investieren, um sich fit zu machen für Neuland, das sie in Kooperation mit mittelständischen Maschinen- und Anlagenbauern sowie Engineering- und Planungsbüros bei der Instandsetzung von großen Kraftwerksgeneratoren betreten wollen. Investiert wird auch in ein neues Verwaltungsgebäude in Lübbenau mit einer leistungsstarken IT-Infrastruktur, um die drei Standbeine, auf denen sich die Emis im Markt bewegt, optimal steuern zu können.
Gebaut wird nach Entwürfen und Plänen von Architektur- und Bauingenieurstudenten der Fachhochschule Lausitz. Sie werden auch die Bauüberwachung übernehmen, erzählt der Emis-Chef. Die Lübbenauer arbeiten seit Jahren eng mit der Fachhochschule Lausitz zusammen, sind einer der drei Sponsoren der Stiftungsprofessur für Entrepreneurship (Unternehmertum). Wir schöpfen wertvolle Anregungen daraus und tun etwas dafür, dass junge Leute in der Region bleiben, sagt Perschk, der hofft, dass der Spreewald und die Lausitzer Wirtschaft für den Nachwuchs an Attraktivität gewinnen.
Noch sei es schwierig, den passenden Nachwuchs zu finden. Entweder werden bestimmte Studiengänge wie der Elektromaschinenbau so nicht mehr angeboten oder es zieht die Spitzen-Absolventen in die alten Bundesländer und in die großen Konzerne, bedauert der Emis-Chef. Seine Strategie lautet deshalb, Absolventen rechtzeitig in die Emis-Praxis einzubeziehen. Fünf Absolventen der Fachhochschule Lausitz haben über diesen Weg bereits eine Festanstellung bei der Emis gefunden. Sie sind heute verantwortlich beispielsweise für wassertechnische Anlagen in Braunkohletagebauen, entwickeln speicherprogrammierbare Steuerungen für Taktstraßen in der Industrie oder arbeiten als Messingenieure im Motoren- und Generatoren-Service für Vattenfall. Dieser Service soll ausgebaut werden und künftig auch die neue High-Tech-Generation von Kraftwerksgeneratoren umfassen. Dafür investieren die Spreewälder in ihre Service-Werkstatt am Kraftwerk Jänschwalde. In einem Netzwerk mit anderen Mittelständlern und Planern wollen sie auf diese Weise für mehr Wettbewerb in dem Segment sorgen.
Wir müssen eigene Produkte platzieren und mit Speziallösungen aus dem Markt herausragen. Nur so können wir noch wachsen und schwarze Zahlen schreiben, betont Perschk. Mit dem herkömmlichen Bereich allein, dem einfachen Strippenziehen, sei das schon lange nicht mehr zu gewährleisten. Die Spreewälder haben ihre Fühler deshalb in verschiedene Bereiche ausgestreckt, sind bundesweit und im Ausland tätig – für Flugzeugbauer, Kosmetikhersteller, Chemiebetriebe oder Achterbahnenbauer und die Deutsche Bahn. Dem Energiesektor sind sie treu geblieben. Dieser Markt wird sie kräftig elektrisieren, hofft der Emis-Chef. Denn die Pläne der deutschen Stromerzeuger lassen auf den Bau von 24 neuen Kraftwerken in Deutschland mit einer Leistung von zusammen rund 18 000 Megawatt-stunden hoffen. Die produzierte Energie muss natürlich zum Kunden gelangen. Das ist verbunden mit dem Aus- und Neubau von Stromnetzen und da haben wir nachgewiesene Fachkompetenz.
Geübt in Kooperationen und dem Knüpfen von Netzwerken sind die Emis-Spezialisten auch in der Lage, Großaufträge zu realisieren, die über ihr eigenes Leistungsspektrum hinausgehen. Jüngstes Beispiel dafür ist ein Projekt mit einem Mittelständler aus dem Raum München, der die Spreewälder bis nach Finnland führt. Dort errichten wir gemeinsam eine Entrauchungs-, Lüftungs-, Heizungs- und Kälteanlage für einen neuen Kernkraftwerksblock.
Netzwerkchancen in der Analyse
Kooperationen, Beharrlichkeit und die Bereitschaft, etwas, in das man viel Zeit und Arbeit gesteckt hat, wieder zu verwerfen, wenn sich die gewünschten Effekte nicht einstellen, machen den Erfolg des Industriedienstleisters aus. Typisch für Perschk und sein Führungsteam ist, es immer wieder wissen zu wollen. Deshalb hat beispielsweise Normann Herrmann nach dem Studium der internationalen Betriebswirtschaft nicht nur vom Fleck weg Verantwortung als Marketing- und Vertriebschef bekommen. Er wird sich nun in seiner Doktorarbeit mit Kooperationen im Mittelstand im Zeitalter der Globalisierung beschäftigen. Ein Feld, in dem sich die Spreewälder bereits auskennen, aber immer noch dazu lernen wollen.
Einer der größten Industriedienstleister der Region
Mit einem Jahresumsatz von rund 35 Millionen Euro und 337 Beschäftigten gehört die Emis Electrics GmbH zu den größten Industrie- und Kraftwerksdienstleistern der Region und zu den erfolgreichsten Ausgründungen aus der ehemaligen Veag.
Drei Geschäftsfelder fordern das Können des Teams: Das sind die Bereiche Kraftwerke, Industrie und Verkehrstechnik sowie Tagebaue und Netze. Die Emis-Spezialisten sind vor Ort in den Niederlassungen an den Kraftwerksstandorten Jänschwalde, Boxberg, Schwarze Pumpe und Lippendorf sowie in den Niederlassungen Seese/Lübbenau, Schwarze Pumpe, Senftenberg und Berlin.
In den alten Ländern unterhält die Emis Niederlassungen in Karlsruhe und in Hamburg. Neu ist die Niederlassung Waldkirch im Schwarzwald. Ihr Schwerpunkt liegt in der Entwicklung und im Bau von Fahrgeschäften und Freizeitparktechnik mit dem Kooperationspartner Mack Rides.
|