| Lausitzer Rundschau/ Elbe-Elster Rundschau, Freitag, 10. November 2006
Mittelständler investiert in Know-how für ganz große Generatoren
Wenn der Lübbenauer Industrie- und Kraftwerksdienstleister Emis Electrics heute am Vattenfall-Kraftwerk Jänschwalde (Spree-Neiße) seinen Kunden die Drei-Millionen-Euro-Investition in die Generatorenwartung vorführt, eröffnet er eine neue Service-Dimension. Als erster Mittelständler im Osten wagt er sich mit einem Rund-um-Service an Generatoren mit einer Leistung bis 500 Megawatt heran, so wie sie sich beispielsweise im Kraftwerk Jänschwalde zur Stromerzeugung drehen. Bislang haben Siemens, Alstom und General Electric die Wartungshoheit über derlei Generatoren. Die Spreewälder Industrie- und Kraftwerksdienstleister sind angetreten, das zu ändern auch im Auftrag ihrer Kunden.
Von Beate Möschl
Die derzeit modernste mobile Kappenabzugsvorrichtung für Generatorläufer – eine Sonderkonstruktion, speziell für die Emis-Gruppe gefertigt – hat ihre Bewährungsprobe bereits hinter sich läuft hervorragend. Die 14 Meter lange und fünf Meter hohe Spezial-Drehbank mit einer Aufnahmekapazität von bis zu 100 Tonnen ist gerade angekommen. Ab Januar soll die aus den USA stammende Anlage statt Raketenteilen im Auftrag der amerikanische Weltraumbehörde dann Ersatzteile für Kraftwerksgeneratoren bearbeiten. Zunächst im Auftrag von Vattenfall, wie Eberhard Perschk, Geschäftsführer der Emis Electrics GmbH Lübbenau, hofft. Die Gebote für aktuell laufende Ausschreibungsverfahren sind bereits eingereicht.
Deutschlands drittgrößter Energiekonzern gehörte zu den Emis-Kunden, die den mittelständischen Dienstleister für Elektroanlagen und -motoren, Maschinen, Stromleitungsnetze und verkehrstechnische Anlagen dazu ermuntert haben, über sich hinaus zu wachsen. Denn die 1990 aus dem Kraftwerk Lübbenau der damaligen Vereinigte Energiewerke AG Veag ausgegründete Kraftwerksinstandsetzungstruppe hat inzwischen vielfältige Kompetenzen erworben (s. Hintergrund) und sich mit ihrem gezielt ausgebautem Know-how bundesweit auch bei Industriekunden wie Nestlé, Kraft, Caterpilar, Airbus, Werksbahnenbetreibern und dem Achterbahn-Spezialisten Mack Rides einen Namen gemacht.
Den Spreewäldern wird demnach einiges zugetraut. Vor allem aber haben sie selbst genug Zutrauen, sich dem Neugeschäft zu widmen und zwar richtig. "Unser Ziel ist ein Rund-Um-Sorglos-Paket für unsere Kunden", sagt Perschk. Nur so lasse sich die erwartete Flexibilität realisieren, ist er überzeugt. Deshalb werden die Lübbenauer auch einzelne Ersatzteile selbst fertigen. "Das ist unser Alleinstellungsmerkmal", wie Perschk betont.
Vor drei Jahren haben die Emis-Spezialisten neben der Motorenwartung auch den Service für kleiner Generatoren bis 25 Megawatt Leistung übernommen. An die großen wagten sie sich dann in Kooperation mit Alstom im Kraftwerk Jänschwalde heran.
„Am Ende war es eine spontane und schnelle Entscheidung selbst in den Großgeneratoren-Service einzusteigen. Das Umfeld ist günstig. Wir sehen in dem Gebiet gute Chancen“, erklärt der Emis-Chef. Perschk verweist auf die angekündigten Investitionen der deutschen Energiewirtschaft. „Bis 2011 sollen bundesweit 24 neue Kraftwerke gebaut werden und das ist erst die Hälfte der bis 2020 vorgesehenen Projekte.“ Damit sei viel Instandhaltungsbedarf verbunden, wie er sagt. „Gut denkbar, dass wir dabei unter den Mittelständlern nur die Vorreiter sind.“ Freilich sei für die Bewältigung der Aufgaben an der sensiblen Stromerzeugungstechnik, „die immer zuverlässig laufen und pünktlich wieder ans Netz muss“, auch erhebliches Know-how notwendig. Neben der Technik brauche es vor allem Elektromonteure und Ingenieure mit technischem Wissen und guter Marktkenntnis.
Die Spreewälder hatten Glück. Sechs erfahrene Fachleute haben sie bereits für das Projekt gewinnen können. Tilo Barthold ist einer davon. Der Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik ist seit dreieinhalb Monaten im Team und dabei, die Zulieferer auf das brandenburgische Tempo einzustimmen. „Wir können sehr flexibel sein als mittelständisches Unternehmen mit kurzen, schnellen Entscheidungswegen. Damit das zuverlässig gewährleistet ist, muss auch die Zulieferkette im richtigen Takt laufen“, sagt der Cottbuser. Die Herausforderung reizt ihn, so wie das ganze Team. Referenzen hat es bereits bei den Stadtwerken in Schwerin und in Bielefeld sowie bei Kali und Salz und der Kraftwerksgesellschaft Staßfurt erworben. Derzeit haben die Lübbenauer auch einen Generator der ehemaligen Bewag Berlin, jetzt Vattenfall, in Arbeit. „Es ist eine große Verantwortung, in Bezug auf Termintreue und Qualität“, sagt Emis-Chef Perschk. Er ist zuversichtlich. dass sich der Mut zum Risiko sowohl für die Emis als auch für Kunden wie Vattenfall auszahlen wird. „Wir sind vorbereitet“, sagt er, „gemeinsam können wir die Region ein weiteres Stück voranbringen.“
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