Auszug Lausitzer Rundschau vom 19.04.2008

An den Wasserläufen des Spreewalds entwickelt sich ein gedeihliches Wachstums-Klima. Gefördert von einem leistungsstarken mittelständischen Unternehmen, das weltweit gefragt ist und mittlerweile knapp 400 Mitarbeiter zählt. Die EMIS Electrics GmbH mit Sitz in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) bietet Fachleuten vom Elektroniker bis zum Diplom-Ingenieur einmalige Entwicklungschancen. Manch einer kommt schneller vorwärts auf der Karriere-Leiter als gedacht.
Dirk Koch ist Gubener und Quereinsteiger bei EMIS Electrics. Der 34-Jährige ist im Oktober 2007 – nach sechs Jahren Tätigkeit im Bereich Automatisierung – zum Abteilungsleiter des Bereiches avanciert. Hat er beispielsweise 2003 bei seinem ersten größeren Projekt noch selbst an der Hydraulik eines Prüfstandes zur Simulation von Starts und Landungen des Airbus A 380 getüftelt, muss er solche Dinge nun delegieren. Seine Aufgabe ist es, die EMIS-Sparte am Markt zu festigen und entsprechend der Nachfrage zu «modellieren» .
Rico Laurisch ist Lübbenauer und erst im Zuge der Bewerbung um eine Lehrstelle dahinter gekommen, dass es unmittelbar vor der Haustür ein so großes und leistungsstarkes Unternehmen gibt. Seit Februar 2007 hat der Elektroniker für Automatisierungstechnik seinen Facharbeiterbrief in der Tasche und als Mitglied der EMIS Montagepools bereits interessante Auslandseinsätze hinter sich. Dem 20-Jährigen stehen die Türen offen zur Weiterbildung als Techniker oder Projektleiter.
Rico Laurisch hat Spaß daran zu lernen und Verantwortung zu übernehmen, wie er sagt. «Die Weiterbildung zum Techniker setzt mindestens zwei Jahre Berufserfahrung voraus» , weiß er. Das erfordere Geduld, gibt der 20-Jährige zu. Doch die Teststrecke, die bei EMIS bis dahin noch vor ihm liegt, verspricht Abwechslung. «Zurzeit arbeite ich in Boxberg an der elektrotechnischen Modernisierung des Kohlebrecherturms» , erzählt Laurisch. Die nächste Aufgabe werde ihn erstmals in ein Kernkraftwerk führen, nach Philippsburg bei Karlsruhe. In Freiburg, Dortmund und Hamburg war er schon im Einsatz. Auch in Holland und in Frankreich. «Der erste Auslandseinsatz kam überraschend schnell. Da hatte ich meinen Facharbeiterbrief erst zwei Monate in der Tasche.» Nach Aussage des Montagepool-Leiters war damals ein Personalengpass ausschlaggebend. Laurisch muss seine Sache gut gemacht haben: «Danach durfte ich dann nach Frankreich, die Steuerungstechnik für eine ’Wilde Maus’ mit installieren» , erzählt er. Die Wilde Maus ist eine Achterbahn des Familienunternehmens Mack aus Waldkirch (Baden-Württemberg). EMIS-Spezialisten übernehmen vieler orts Planung und Installation der Elektrik und Steuerung der Fahrgeschäfte. Die Mack Rides GmbH & Co KG gilt als einer der Marktführer in der Entwicklung und Produktion von Freizeitparkattraktionen weltweit.
Bedarf an guten Leuten steigt
In Waldkirch schließt sich ein Ring, an dem sich Rico Laurisch und Dirk Koch treffen könnten. Laurisch interessiert sich sehr für die Automatisierungssparte, «weil ich das gelernt habe» . Koch wiederum berichtet von «steigender Nachfrage nach maßgeschneiderten Automatisierungslösungen beispielsweise für Kesselreinigungsanlagen» . Er werde sein Team aus derzeit 30 Fachleuten für weiteres Wachstum fit machen und aufstocken müssen, sagt er. Das Fitmachen schließe auch «Wissenstransfer quer durch die Bereiche» ein. So sollen Lübbenauer Kollegen von dem Team der Niederlassung Waldkirch etwas über die Spezifik der Steuerungstechnik für Fahrgeschäfte lernen oder Wissen der Hamburger Mitarbeiter zur Prozessautomation in der Pharma- und Lebensmittelindustrie übernehmen. Umgekehrt könne aus dem Spreewald Know-how zu Kraftwerksleit- und -steuerungstechnik übertragen werden. «Ziel ist, uns breiter aufzustellen» , sagt Koch.
Der Gubener hat im väterlichen Handwerksbetrieb den Beruf des Elektroinstallateurs erlernt, anschließend eine vierjährige berufsbegleitende Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker absolviert und den Meisterbrief in der Tasche. 2002 sei der Funke zwischen ihm und EMIS Electrics übergesprungen, erzählt Koch. «Fasziniert haben mich die Größe des Unternehmens, die Branche und die Aussicht auf den Einstieg in einen Bereich, der erst im Aufbau begriffen war. Das versprach gute Möglichkeiten, sich zu entfalten.» Das habe geklappt, «in nahezu atemberaubendem Tempo» .
Die Fluktuation ist sehr gering
Koch könne jederzeit in einem großen Konzern anfangen, weiß der Beauftragte der EMIS-Geschäftsführung, Norman Herrmann. Auch andere Fachleute des Unternehmens seien vor Abwerbeversuchen nicht sicher. «Aber die Fluktuation bei uns ist sehr gering» , sagt Herrmann. Er höre in Personalgesprächen oft, dass ein gutes Gehalt allein nicht glücklich macht. «Wichtig sind erkennbare Aufstiegschancen, ein gutes Betriebsklima, Selbstverwirklichung.» Das sei in mittelständischen Unternehmen eher möglich als im Großkonzern, wie das Beispiel Dirk Koch zeige. 55 Mitarbeiter habe EMIS Electrics im vergangenen Jahr neu eingestellt, darunter auch gestandene Fachleute aus anderen Betrieben bundesweit, die neue Entwicklungschancen suchen, berichtet Herrmann und kündigt an: «In diesem Jahr werden wir weiter wachsen.»
_______________________________________________________________________ Hintergrund Dienstleister für Kraftwerke, Industrie und Bergbau Die EMIS Electrics GmbH ist ein Dienstleistungsunternehmen in den Bereichen Kraftwerke, Tagebaue und Netze, Industrie und Verkehrstechnik. Mit 370 Beschäftigten und 22 Azubis gehört EMIS zu den erfolgreichen Ausgründungen aus der ehemaligen Vereinigten Energiewerke AG (Veag). An den Start gegangen war das Unternehmen 1990 mit 27 Mitarbeitern. Zum Leistungsspektrum gehören heute der kundenspezifische Elektroanlagen- und Schaltschrankbau, Automatisierungslösungen für die Prozessindustrie und Stadtwerke; Leit- und Feldtechnik für Tagebaue und Kraftwerke; Motoren- und Generatorenservice; Netzbetrieb und Stromversorgung; Planung und Bau wassertechnischer Anlagen wie der Flutungszentrale für die Lausitzer Seenkette; Bau und Service für Elektro- und Steuertechnik von Windkraftanlagen sowie Verkehrskommunikationstechnik.
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